Beilstein Bottwartalbahn beeinflusst die Jahrzehnte

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Die mögliche Trassenführung einer Bottwartalbahn wird gerade auch in Beilstein diskutiert. Foto: privat

Beilstein - Die Entwicklung der Stadt Beilstein wird sich im Westen abspielen, das steht schon heute fest: Dort liegen potenzielle Wohn- und Gewerbegebiete, die geplante Umgehungsstraße und auch die Bottwartalbahn sollen dort verlaufen. „Es gibt viele Aspekte, die es bei jeder Planung in Einklang zu bringen gilt“, läutete Bürgermeister Patrick Holl am Dienstag im Gemeinderat einen Tagesordnungspunkt ein, der für die nächsten Jahrzehnte der Stadt maßgeblich sein wird: Der mögliche Trassenverlauf der Bottwartalbahn.

Unabhängig von der Debatte an sich hat die Stadt Beilstein seit längerer Zeit einen Korridor für die Gleise freigehalten. „Nun hatten sich Unternehmer an uns gewandt, die ihre Betriebe gern erweitern oder verlagern wollen“, erklärte Patrick Holl den Stadträten. Vor diesem Hintergrund ist eine Variantenuntersuchung zu möglichen Trassenführungen beauftragt worden, um zu klären, welche Flächenanteile noch für eine Gewerbegebietserweiterung infrage kommen würden. Die möglichen Varianten sind nun von Klaus Weber, Planung Metro und Straßenbahn bei der DB, am Dienstag dem Gremium vorgestellt worden:

Variante 1: Flächennutzungsplan
Die erste Variante, die von Seiten der Bahn favorisiert wird, orientiert sich am Korridor, der im Flächennutzungsplan schon eingezeichnet ist. „Die Gleise folgen hier weitgehend dem Siedlungsrand und sind dicht an der Bebauung“, erläuterte Weber die Planung. Die Vorteile wären hier eine gute Erschließung der Bahnstrecke, allerdings würden die Potenzialflächen für Wohnraum und Gewerbe durchschnitten.

Variante 2: Verschiebung gen Westen
Diese Variante verläuft ähnlich zu der ersten Variante, schont im Gegenzug aber die Entwicklungsflächen. „Die Zugänglichkeit ist allerdings erschwert“, so Weber. Variante 3: Kopplung mit Umgehungsstraße
Der dritte erarbeite Vorschlag sieht eine Bündelung der Trasse der Bottwartalbahn mit der geplanten Umgehungsstraße vor. „Das führt zu keinerlei Beeinträchtigungen der Ortslage“, erklärte Klaus Weber. Eine Freihaltung von Flächen wäre nicht nötig. „Aber wenn die Bahn außerhalb der Stadt liegt, wird diese kaum genutzt werden“, gab der Diplom-Ingenieur zu bedenken.

Variante 4: Straßenbahn in der Hauptstraße
Eine letzte und unwahrscheinliche Möglichkeit wäre es, die Stadtbahn künftig auf der Hauptstraße fahren zu lassen. „Hier wäre aber ein vollständiger Umbau nötig“, räumte Klaus Weber direkt ein. Aufgrund der hohen Kosten und des hohen Aufwands schied diese Möglichkeit direkt aus.

So vielfältig wie die Varianten fiel dann auch das Meinungsbild der Stadträte aus. Die Geister schieden sich dabei an „einer Frage der Philosophie“, wie Bürgermeister Patrick Holl es ausdrückte. So gab es etwa die Verfechter eines Abrückens der Trasse in Richtung Westen, wie etwa Oliver Muth (FWV): „Eine Umsetzung der Bahn wird es frühestens in 15 Jahren geben, wenn denn überhaupt. Es ist grob fahrlässig, da unser Entwicklungspotenzial einzuschränken. Wolfgang Behr (FDP) wies ebenfalls auf die Dringlichkeit eines Gewerbegebietes hin. Ramona Weller (FWV) stimmte dem zu: „Für die Umgehungsstraße wird auch schon Fläche freigehalten.“ Außerdem sei zu überlegen, ob statt vieler Haltestellen ein zentraler Stopp – etwa am Freibad – eingeplant werden sollte.

„Das ist genau die Haltung, aus der auch schon die Umgehungsstraße rausgelegt wurde und weswegen diese jetzt noch nicht kommt“, warf Oliver Kämpf (CDU) ein. Peter Gruner (Initiative) konnte hier nur beipflichten: „Die Bahn sollte doch zum Bürger kommen. Wir wollen die Autos schließlich von der Straße haben“, betonte er. Es sei an der Zeit, Beilstein klar als eine Wohngemeinde zu positionieren. Auch Brigitte Kobiela (CDU) stimmte dem zu: „Ich will die Bahn nicht mit dem Fernglas suchen müssen.“ Außerdem sollten auch Schüler und Senioren diese nutzen können.

„Wir haben mit diesen Varianten eine Grundlage für Diskussionen“, konstatierte Bernd Kircher (SPD). Die soll demnächst fortgesetzt werden – die finale Entscheidung für eine Trasse steht noch aus.

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