Affalterbach Häckselmorast soll saubere Sache werden

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Klare Regeln gelten auf den 34 Häckselplätzen in Obhut der AVL im Landkreis Ludwigsburg. Foto: Archiv (Kuhnle) Foto:  

Affalterbach - Harald Allgaier aus Affalterbach bringt seinen Vorwurf mit großem Nachdruck vor: Auf dem Häckselplatz bei Wolfsölden „wird viel abgeladen, ohne dass dafür bezahlt wird“. Der Pensionär beobachtet nach eigenen Angaben schon seit längerer Zeit ein illegales Treiben bei der Entsorgung von Grüngut. Da seien Gewerbetreibende, also Landschaftsgärtner aus dem Rems-Murr-Kreis etwa, die Schnitt und Grüngut hier loswerden. Allgaier entlädt nach eigenen Angaben jeden Monat mindestens einmal selbst am Affalterbacher Häckselplatz Grüngut, auch das von Nachbarn. Denen hilft er, weil viele, die er kennt, körperlich nicht mehr so rüstig oder entsprechend motorisiert sind.

Ein Schild der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises, AVL, die den Platz verwaltet, informiert dort zwar: „Anlieferungen aus Gewerbebetrieben und aus anderen Landkreisen sind nicht gestattet.“ Doch laut Allgaier sei das wirkungslos. Mehr Kontrolle müsse her. „Ich war es leid, das immer der Gemeinde zu melden.“ Alle Missetäter, die glauben, es gebe kaum Kontrollen, haben aber offenbar die Rechnung ohne die AVL gemacht. Denn tatsächlich gibt es Kontrolleure, die Allgaier aber „noch nie gesehen hat“. Wer nicht wie der 75-Jährige und seine Nachbarn Gebühren im Landkreis Ludwigsburg bezahlt, kann jederzeit erwischt werden von einem „Häckselplatzscout“ der AVL. Die heißen tatsächlich offiziell so.

Die einzige hauptberufliche AVL-Angestellte mit diesem klangvollen Titel ist Marianne Becker, die früher in einer Baumschule arbeitete und daher für den Job im Landkreis bestens qualifiziert ist. Die Regelungen, deren Einhaltung Becker kontrolliert, sind durchaus knifflig: Gewerbetreibende sind grundsätzlich von der Benutzung der Häckselplätze des Landkreises ausgeschlossen, können aber eine Vollmacht vorlegen und dann Grüngut anliefern. Das ist möglich, sobald sie im Auftrag etwa eines Kunden arbeiten, der Müllgebühren im Landkreis Ludwigsburg bezahlt. Scout bedeutet im Englischen eigentlich Pfadfinder, aber „die sind ja auch immer draußen“, erklärt sich Becker ihren Titel. Für die Häckselplätze in Affalterbach und Erdmannhausen gibt es sogar einen eigenen Scout. Rudolf Lohmann ist hier zuständig, ein Steinheimer, der insgesamt 30 Stunden im Monat für beide Plätze hat. Er entscheidet selbst, wann er wo hingeht. Das hat laut AVL auch einen willkommenen Überraschungseffekt.

Dort findet sich gelegentlich auch Bauschutt oder anderer Unrat, laut Gemeinde Afffalterbach etwa „einmal im Monat“. Wichtig ist es dann, dass der der Bauhof, der zuständig ist, den Unrat schnell abholt, weiß Becker doch: „Wenn wilder Müll daliegt, schmeißt doch jeder noch etwas dazu.“ Der unbefriedigende Zustand verschlimmert die Lage: Den Platz in Gronau, der neu saniert ist, beschreibt Becker als „seither tip-top“. Wie in Affalterbach sah es auch in Gronau vor der Sanierung aus: „Schlammig und abschüssig“, so Becker. Ein Platz, der optisch sauber aussieht, bewirkt ihr zufolge auch eine größere Disziplin vor Ort. Das Problem der Grüngut-Ablagerungen von Personen, die nicht im Landkreis Ludwigsburg Gebühren zahlen, wird die Sanierung jedoch nicht lösen. Der Häckselplatz in Affalterbach ist wie die anderen 33 von der AVL verwalteten Plätze immer offen – und der Affalterbacher liegt nahe der Kreisgrenze. Dort, wo die Autos mit dem Kennzeichen „WN“ zugelassen werden, gelten andere Regeln: Die nächste dortige Sammelstelle befindet sich in Kirchberg bei der Kläranlage Eichbachtal. Dort ist nur samstags vier Stunden geöffnet, im Sommer zudem mittwochs zwei Stunden. Diese begrenzten Öffnungszeiten im Rems-Murr-Kreis führen dazu, dass illegal vor den verschlossenen Toren abgeladen wird, weiß die AVL-Kraft.

Die Gemeinde Kirchberg warnt im Web, „dass wilde Ablagerungen außerhalb der Öffnungszeiten verboten sind“ und Bußgelder nach sich ziehen können. In Rems-Murr kostet die Grüngut-Entsorgung ab einer Menge von mehr als zwei Kubikmetern generell 4,50 Euro für jeden weiteren Kubikmeter. Ludwigsburg hat sich dagegen für eine Art Grüngut-Flatrate entschieden. Markus Klohr, Sprecher der AVL: „Das wird im Einvernehmen mit den Gemeinden geregelt – sie haben ein großes Interesse daran, dass die Häckselplätze immer offen bleiben.“ Der Affalterbacher Bürgermeister Steffen Döttinger ist „froh über die komfortable Regelung“. Wer bei illegaler Ablagerung erwischt wird, dem drohen je nach Schwere des Vergehens Bußgelder bis zu 1000 Euro oder ein Häckselplatzverbot, so die AVL. Vergehen sollten am AVL-Servicetelefon gemeldet werden. Fotos der Autos der Missetäter seien hilfreich, so Klohr.

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